VANDERMEER „Polygraph“

„Auf dem Gerüst zerbrechlicher Singer-Songwriter-Entwürfe sind die stilistisch nicht klar einzuordnenden Nummern zu komplexen Pop-Rock-Hymnen gewachsen – und dabei wildert die Band gerne in angrenzenden Genres. Im bereits als Vorabsingle veröffentlichten „All is fair in love and war“ zum Beispiel – einem der besten Songs auf „Polygraph“ – kombinieren vandermeer eine entspannte, jazzig anmutende Atmosphäre mit einer immer nur kurz aufflammenden, verzerrten E-Gitarre und schaffen so den Spagat zwischen kleiner und großer Bühne, zwischen verrauchtem Nachtclub und Stadion. Davor leitet das für einen Opener mit über sechs Minuten überraschend lang geratene „I already told you“ die CD mit einer waschechten Klimax ein – über ein paar Akkorde und Harmke van der Meers zerbrechlichen, anklagenden Gesang steigert sich der Song bis zu einem großen, weltumarmenden Refrain.

vandermeer funktionieren am besten, wenn sie laut werden: So finden sich im weiteren Verlauf der Platte mit u.a. „Stop“, „Not Available“ oder „I Will“ klassische Indie-Rock-Songs mit genau der richtigen Portion Energie und eingängigen Melodien, die im täglichen Radioprogramm zwar nicht stören würden, aber trotzdem nicht durch Belanglosigkeit oder Ideenmangel auffallen. Dazwischen entdeckt man experimentellere Ausflüge in andere Gefilde, wie den leicht swingenden Beginn in „Get Up“ oder die wabernde, sphärische Synthie-Fläche im Hintergrund von „Emptiness“, über die später eine fast schon Noise-artige, dissonante Gitarrenspur gelegt wird. Sowieso scheint zumindest einer der beiden Gitarristen eine gewaltige Vorliebe für 90er-Alternative zu haben, was auf der ganzen Platte immer wieder anklingt. Das abschließende „Maybe“ letztendlich ist ebenfalls wieder ein lupenreiner Indie-Rock-Hit, der „Polygraph“ zu einem gebührenden Finale bringt und am Ende auch wieder die Gitarren richtig von der Leine lässt.“ Ralf Hoff – hunderttausend.de